Was ist Philatelie?

Die Briefmarke, auch Postwertzeichen genannt, stellt eine Quittung für eine von der Post zu erbringende oder erbrachte Leistung dar. Die Leistung besteht in der Beförderung eines Briefes oder eines anderen Postgutes gegen Entgelt. Das Entgelt drückt sich in Form der Briefmarke aus, die vorher käuflich am Postschalter oder aus Automaten erworben werden muss. Damit eine Briefmarke nicht mehrfach benutzt werden kann, wird sie entwertet, z. B. abgestempelt.

Der Laie kann sich unter "Philatelie" nicht viel vorstellen. Er geht davon aus, zur Philatelie gehöre das Sammeln von Briefmarken, vielleicht auch noch das Zusammentragen von postalisch beförderten Briefen aus der Zeit vor der Einführung der Briefmarken, also vor dem Jahr 1840.

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Zunächst soll das Wort "Philatelie" aus seiner Herkunft erklärt werden. Das Wort ist wohl erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, und seine Bestandteile stammen aus dem Griechischen.
Das Bestimmungswort "phiI", die Wortform "telie" und dazwischen ein "a", ein sog. "alpha privativum", welches verneint, wurden zu einer Art Kompositum zusammengefasst. Der erste Bestandteil der Zusammensetzung, "phiI", leitet sich von "philos" ab, das bedeutet Freund, befreundet, liebend; "telie" kommt von "telos", das heißt: Steuer, Abgabe; "atelie" entspricht der zugehörigen Verneinung, dem Sinn nach also: von der Steuer befreit, nicht abgabenpflichtig.

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Die Beziehung zu den Briefmarken ist gegeben, weil durch die Marken der Brief freigemacht ist von der zu entrichtenden Abgabe, die nämlich schon früher entrichtet wurde. Der Absender ist nicht mehr abgabenpflichtig, weil durch das aufgeklebte Postwertzeichen eine Befreiung von der Abgabe erreicht wurde.
"Philatelie" meint demnach in der Grundbedeutung "Liebe" zu den Marken, mit deren Hilfe zum Beispiel ein Brief abgabenfrei gemacht wurde". Kaum ein Philatelist dürfte Veranlassung haben, diese durchaus einleuchtende Deutung abzulehnen. Die Philatelie befasst sich heute zwar nicht nur mit Postwertzeichen, aber diese Ausweitung des Begriffsinhalts entspricht ganz und gar jener sprachwissenschaftlichen Erscheinung, die man Bedeutungserweiterung nennt und die auch für unzählige andere Wörter zutrifft.
Bei den Briefmarken handelt es sich vor allem und ganz generell um staatliche, teilweise auch private Gebührenmarken postalischer Natur, daher auch das Synonym "Postwertzeichen".
Die Philatelie ist ein Teilgebiet der Geschichtswissenschaft. Die Philatelie oder Briefmarkenkunde beschäftigt sich mit dem systematischen Sammeln von Postwertzeichen sowie von Belegen für ihre Verwendung auf Postsendungen jeglicher Art und der Erforschung postgeschichtlicher Dokumente.
Da sich die Philatelie vorwiegend mit historischen Gegenständen beschäftigt, kann sie nicht ohne ein bestimmtes Grundwissen über geschichtliche  Zusammenhänge auskommen. Als historisch ist alles anzusehen, was der Vergangenheit angehört. In diesem Sinne beschäftigen wir uns also mit Geschichte.
Die Briefmarke gewährt Einblicke in die Geschichte.
Der Philatelist kann sie benützen, um sich in der Welt umzusehen und sein Wissen über vergangene Zeiten, über Land und Leute zu erweitern. Dabei ist es nicht notwendig, große Reisen zu unternehmen.
Die eingehende Beschäftigung mit Briefmarken (Postwertzeichen) aller Staaten kann aber auch noch weitere Teilgebiete des Allgemeinwissens berühren, zum Beispiel Geographie, Tier-und Pflanzenkunde (Zoologie und Botanik), Ur-und Frühgeschichte der Erde und des Menschen, technische Entwicklungen, Politik, Sport, Menschheitsträume und vieles andere mehr.

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